Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt

Der heutige zweite Münchner Stadtbezirk reicht von der Hackerbrücke entlang der Hangkante und der Theresienwiese bis zur Bahnlinie, die die südliche Begrenzung des Viertels bildet. Von der Braunauer Eisenbahnbrücke aus verläuft die Viertelgrenze im Osten entlang des Radwegs im Isar-Hochwasserbett bis zum Deutschen Museum und der Ludwigsbrücke. Von dort folgt sie der Trambahn bis zum Stachus und nördlich des Bahnhofs bis zur Hackerbrücke. Der Geschichte in diesem vielfältigen Stadtbezirk widmet sich die GeschichtsWerkstatt.

 

Ludwigsvorstadt 

Südlich der Bayerstraße entwickelte sich eine Gartenvorstadt, die sukzessive durch eine geschlossene Bebauung ersetzt wurde. Um 1800 entstand das Allgemeine Krankenhaus vor dem Sendlinger Tor und ab 1882 die Bebauung des Wiesenviertels. 

Am 17. Okt. 1810 feierten Münchens Bürger mit einem Pferderennen die Hochzeit des Kronprinzen Ludwig mit Prinzessin Therese aus Sachsen- Hildburghausen – die Geburtsstunde des Oktoberfestes. 

1853 entstand nach den Plänen von Friedrich von Bürklein die Einstiegshalle am heutigen Bahnhofsplatz, 1944/45 durch Bomben schwer beschädigt. In den Nachkriegsjahren wurde das heutige Bahnhofsgebäude errichtet. 

Friedrich von Bürklein, der Planer der Maximilianstraße, entwarf auch die Fassade der Frauengebäranstalt an der Sonnenstraße. Gemeinsam mit Arnold Zenetti entstand von 1853 bis 1856 der Bau. 1920 bis 1922 erfolgte der Umbau zum Postsparkassen- und Postscheckamt.

 Im Stadtmodell von Johann Baptist Seitz ist noch das Erste Allgemeine Krankenhaus zu erkennen. 1826 wurde es der Universität angeschlossen, die zu dieser Zeit von König Ludwig von Ingolstadt nach München verlegt wurde – das Klinikviertel entstand.

In den 1880er Jahren wurde der Bavariaring angelegt. Einseitig bebaut, trennt er die Theresienwiese von der Bebauung des Wiesenviertels. 1897/98 wurde die doppelte Lindenalle gepflanzt.

In den 20er Jahren war der Mathäser der Bierpalast mit dem größten Bierumsatz in München. Durch Bomben schwer zerstört, entstand 1957 eine neue Bierstadt mit 16 Lokalen, mehreren Geschäften, Büros und einem Großleinwandkino. Ende der 90er Jahre erfolgte der Abriss.

 

Isarvorstadt 

Die Isarvorstadt war seit jeher geprägt durch die Stadtbäche und Mühlen. Nach Abbruch der Stadtmauer ab 1791 war die Gegend um den heutigen Gärtnerplatz wegen

der Hochwassergefahr durch die Isar weitgehend von der andernorts beginnenden Stadtentwicklung ausgespart. Gärtner und Milchbauern waren

die überwiegenden Anwohner. Die Anlage der Deiche und des Hochwasserbettes in der Isar bannte die Hochwassergefahr und förderte die Pläne zur Bebauung.

 

Isarvorstadt: Gärtnerplatz / Museumsviertel 

Holz, Kohle, Kalksteine und andere Waren aus dem Oberland wurden mit Flößen zur Unteren Lände nach München transportiert und u.a. auf der Kohleninsel, der heutigen Museumsinsel gelagert. 1772 entstand hier die Isarkaserne.

In der Gegend der heutigen Buttermelcherstraße lag der Buttermelchergarten. In den 1860er Jahren entstand die Bebauung des Viertels, die heute noch erkennbar ist.

Um das entstehende Stadtviertel aufzuwerten, also höhere Mieten zu erzielen, entstand das Aktien-Volkstheater am Gärtnerplatz, das 1865 eröffnet wurde.

1906 wurde der Grundstein gelegt für ein Haus, angefüllt mit „Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik“ – lehrreich und unterhaltsam für alle Schichten des Volkes. Am 7. Mai 1925, zum 70sten Geburtstag des Gründers Oskar von Miller wurde der Sammlungsbau eröffnet.

Der Bibliotheksbau des Deutschen Museums entstand von 1928 bis 1932. Der Saalbau für Kongresse und Vorträge für 2.400 Personen wurde von 1928 bis 1935 nach Plänen von German Bestelmeyer gebaut.

1808 wurde eine weitere Kaserne am linken Isarufer von Baumeister Franz von Thun errichtet. 1902 verlegte man die Soldaten in die Prinz-Leopold- Kaserne in Schwabing. 1953 wurde der Bau abgerissen. Das deutsche Patentamt zog von Berlin ans Isarufer.

 

Isarvorstadt: Glockenbachviertel 

Die Isarvorstadt um 1850. Die Garten- häuser standen in der Gegend der heutigen Müller- und Holzstraße. Der Blick nach Süden geht über den Stadtbleichanger zwischen dem Westermühl- und dem Mahlmühlbach.

An der heutigen Holzstraße lag die Obere Lände. Im Brunnhaus am Westermühlbach konnte mit Hilfe der Wasserkraft des Stadtbaches frisches Trinkwasser aus dem Grundwasserbereich gepumpt werden. 1885 erfolgte der Abbruch des eigentlichen Brunnhauses.

Pechwinkel nannte man die Gegend um die Baum- und heutige Palmstraße, gelegen zwischen Isar und dem heute aufgelassenen Pesenbach. Dort übten einst die Pechsieder ihr Handwerk aus.

560 Jahre war die Westermühle in Betrieb. Kaiser Ludwig der Bayer gestattete dem Heiliggeistspital in München im Jahre 1345 die Mühle zu errichten. 1652 wurde daraus die „Westermühle“ Sie gab dem Stadtbach letztlich den Namen.

Ecke Jahn-/Holzstraße betrieb erst Michael Reiffenstuel eine Zimmerei, ab 1866 baute die königliche Möbelschreinerei Pössenbacher wertvolle Möbel für die Residenz und die königlichen Schlösser. Später zog hier die Firma Zettler ein.

Die katholische Kirche St. Maximilian wurde von 1895 bis 1901 erbaut und hat längst den Namen „Notre Dame“ an der Isar. Professor Heinrich von Schmidt entwarf den Bauplan. Im Krieg wurde die Kirche zerstört und ohne die Turmspitzen wieder aufgebaut.

 

Isarvorstadt: Dreimühlenviertel / Schachthofviertel 

Am 12. April 1563 wurde der Friedhof vor dem Sendlinger Tor nach einer Pestepidemie eingeweiht und daher damals auch „Pestfriedhof“ genannt. Nach 1786 wurde der Friedhof zum Zentralfriedhof für die ganze Stadt.

1876 entstand der von dem Hygieniker und Professor Max von Pettenkofer vorgeschlagene „Zentrale Schlachtund Viehhof“, der Hunderte von Schlachtstätten in den Münchner Hinterhöfen ablöste. Stadtbaurat Arnold Zenetti entwarf den Plan.

Holz, Kohle, Kalksteine und andere Waren aus dem Oberland wurden mit Flößen zur Unteren Lände nach München transportiert und u.a. auf der Kohleninsel, der heutigen Museumsinsel gelagert. 1772 entstand hier die Isarkaserne.

Der Dreimühlenbach gab dem Viertel seinen Namen. Die Obere Kaiblmühle, die unterste von drei Mühlen, lag an der heutigen Dreimühlenstraße 30. Sie blieb bis 1886 in Betrieb.

1705 wurde die „Schmerzhafte Kapelle“ eingeweiht, die bald ein Wallfahrtsort wurde. 1846 entstand das neue Kapuzinerkloster, 1885 die neuromanische Antoniuskirche. Das Kloster „St. Anton“ wurde eines der größten Kapuzinerkonvente Bayerns.

Seit 1839 arbeitet Jakob Roeckl als Säckler- und Handschuhmachermeister. Mit seinen qualitätvollen Waren wurde er „Kgl. Hofhandschuhmachermeister“. 1871 entstand die Fabrik im Dreimühlenviertel. Gabriel von Seidl plante das 360 m lange Fabrikgebäude, das in den 1970er Jahren abgerissen wurde.

 Seit 1877 produzierte Josef Rodenstock Barometer, Präzisionswaagen, Messinstrumente und Brillen. Im Glockenbachviertel errichtete er eine mit Wasserkraft betriebene Brillenschleiferei. 1886 kaufte er das Grundstück am Westermühlbach einschließlich der Wasserrechte. 2011 wurde die Produktion verlagert.